Schädlinge und Krankheiten der Honigbiene

Heutzutage ist die Varroamilbe, für uns Imker die größte Bedrohung für unsere Honigbienen. Von anderen Krankheiten und Seuchen wurden wir, im Berchtesgadener Land, wahrscheinlich auch aufgrund der geographischen Lage des Berchtesgadener Talkessels, weitgehend verschont. Doch bereits im Nachbarlandkreis kam es schon mehrfach zu Fällen von Amerikanischer Faulbrut.
Auf dieser Seite wollen wir die häufigsten Schädlinge und Krankheiten der Honigbiene vorstellen, genauer auf die Varroose eingehen und euch Wissenswertes mitgeben über Herkunft, Verhalten und Bekämpfung der Bienenschädlinge. 

Krankheiten und Schädlinge

Die Krankheiten der Honigbiene werden durch Parasiten, Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Bienenkrankheiten lassen sich grob einteilen in Krankheiten der erwachsenen Biene und Brutkrankheiten. Daneben gibt es eine Reihe von Schädlingen, die zu Befallsymptomen wie Beunruhigung des Volkes, Wärmeverlust, Futtermangel, Krankheitsanfälligkeit und so weiter führen können.
Derzeit sind 22 Honigbienen-Viren bekannt. Honigbienen können Viren wie z. B. das Flügeldeformationsvirus auf Wildbienen und Hummeln übertragen.

Bedrohliche Krankheiten

  • Varroose – ein Parasitenbefall, der in der Imkerei ohne Behandlung zum Zusammenbruch der Bienenvölker führt
  • Nosemose – eine gefährliche Darmerkrankung
  • Amerikanische und Europäische Faulbrut – zwei unterschiedliche und auch unterschiedlich gefährliche Bakterienarten (anzeigepflichtig)
  • Kalkbrut – eine Pilzerkrankung
  • Sackbrut – Absterben der Larven
  • Colony Collapse Disorder – es ist noch nicht geklärt, ob es sich hierbei überhaupt nur um eine Krankheit handelt, siehe auch „Massensterben“ weiter unten.


Auf dem Bild:
Puppe einer Arbeiterin mit parasitierender Varroamilbe.

Die Varroamilbe
Varroa destructor

Die Varroamilbe ist eine (als adultes Weibchen) ca. 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe aus der Familie Varroidae, die als Parasit an Honigbienen (Apis mellifera und Apis cerana) lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Der Befall von Bienenvölkern durch die Milbenart wird als Varroose (alter Name: Varroatose) bezeichnet. Varroa destructor gilt als der bedeutsamste Bienenschädling weltweit.

In Österreich ist die Tierseuche Varroose anzeigepflichtig, in der Schweiz unter Gr. 4 Zu überwachende Seuchen (Meldepflicht) eingestuft. In Deutschland ist sie in § 15 der Bienenseuchen-Verordnung zwar geregelt, aufgrund ihrer Ubiquität (vereinfacht gesagt: weite Verbreitung) wird aber von einer Anzeige- oder Meldepflicht abgesehen.

Namensherkunft

Die Gattung ist nach dem römischen Gelehrten Marcus Terentius Varro (116–27 v. Chr.) benannt, der Schriften über die Landwirtschaft verfasste.
Varroa destructor (lat., dt. zerstörerische Milbe)

Körperbau

Die Art ist durch einen markanten Sexualdimorphismus ausgezeichnet. Die Männchen sind erheblich kleiner und schmaler, von eher dreieckig-tropfenförmiger Gestalt, ihre Beine sind im Verhältnis zur Körpergröße deutlich länger. Sie sind schwächer sklerotisiert und hellgelb. 80 % aller Varroamilben sind weiblich, nur sie verlassen die Brutwabe und treten damit in Erscheinung, während die Männchen nach der Begattung dort verbleiben und sterben.
Wie bei den meisten Milben ist der Körper der Varroamilbe in zwei Abschnitte geteilt, die Idiosoma und Gnathosoma genannt werden. Das Gnathosoma, an dem die Mundwerkzeuge sitzen, ist relativ klein und auf die Bauchseite zwischen die Hüften (Coxen) des ersten Beinpaars verlagert, es ist bei Betrachtung von oben nicht sichtbar. Das Idiosoma ist auf der Rückenseite von einem ungeteilten, stark sklerotisierten Schild bedeckt, der rotbraun ist. Auf der Bauchseite sitzen mehrere ebenfalls rotbraune Ventralschilde, die durch Nähte miteinander verbunden sind. Der Rückenschild des Weibchens ist queroval und deutlich breiter als lang, er ist dicht mit Borsten (Setae) bedeckt. Die Mundwerkzeuge bestehen aus zwei als Sinnesorgane dienenden Pedipalpen und zwei dreigliedrigen Cheliceren, die der Nahrungsaufnahme dienen. Das letzte Chelicerenglied ist als beweglicher, gezähnter Chelicerenfinger ausgebildet, mit ihm kann die Milbe die Körperwand ihrer Wirtsbiene aufschneiden. Die Milbe besitzt vier Beinpaare, deren erstes sechsgliedrig ist, die übrigen sind siebengliedrig. Die kurzen, kräftigen Beine tragen keine Klauen, stattdessen sitzen auf der Oberfläche als Apotelen bezeichnete Strukturen, die zum Festhalten dienen. Das nach vorn gestreckte erste Beinpaar dient als Sinnesorgan. Es trägt neben verschiedenen Sinneshaaren, die als Mechano- und Chemorezeptoren dienen, ein grubenartiges Sinnesorgan, ähnlich dem Haller-Organ der Zecken.
Auf der Bauchseite des Idiosomas sitzt eine langgestreckte Einsenkung, das Peritrema. Diese ist mit den Stigmen des Tracheensystems verbunden, die auf der Bauchseite außen sitzen, und dient als Atemorgan.

Lebenszyklus und Entwicklung

Die Art ist in allen Lebensstadien parasitisch und kommt niemals frei lebend, sondern ausschließlich im Inneren von Bienenstöcken, oder auf Bienen, vor. Alle Nymphenstadien und die Männchen leben im Inneren von verdeckelten Brutzellen. Nur die Weibchen kommen auch außerhalb der Zellen vor. Sie sitzen dann normalerweise an der Bauchseite des Hinterleibs von erwachsenen Bienen, meist in die Intersegmentalhaut zwischen den Bauchschilden eingebohrt, können aber auch andernorts am Körper sitzen. Gegen das Putzverhalten der Bienen sind sie durch den festen Rückenschild gut geschützt. Die Übertragung der Varroamilbe auf weitere Bienenvölker ist natürlicherweise nur bei direktem Körperkontakt durch fehlorientierte oder nahrungsraubende Arbeiterinnen in fremden Stöcken möglich. Die adulten Varroa-Weibchen saugen zur Nahrungsaufnahme an den Arbeiterinnen, für ihre Vermehrung sind sie aber an die Brutwaben des Bienenstockes gebunden.
Die Varroa-Weibchen verlassen die adulte Biene, während diese eine Brutzelle mit einer verpuppungsbereiten Altlarve (fünftes Larvenstadium) verdeckelt. Obwohl verschiedene Chemorezeptoren und aus Verhaltensexperimenten eine anlockende Wirkung von Bienenlarven, Kokonmaterial und Nahrungsvorräten auf die Milbe bekannt sind, wird der auslösende Reiz noch nicht im Detail verstanden. Brut von Drohnen wird bis zu achtmal stärker befallen als die von Arbeiterinnen, Königinnenbrut jedoch so gut wie nie. Die Milbe wandert durch den Zwischenraum zwischen der Bienenlarve und der Zellenwand zum Zellenboden, der den restlichen Nahrungsvorrat enthält, möglicherweise, um Abwehrverhalten der Bienen zu entgehen. Die Milbe beginnt an der Bienenlarve zu saugen, wenn der Nahrungsvorrat aufgebraucht ist. Sie legt etwa 50 Stunden nach der Verdeckelung ihr erstes Ei ab. Dieses bleibt unbefruchtet und entwickelt sich aufgrund der Geschlechtsbestimmung über Haplodiploidie zu einem Varroa-Männchen. Die folgenden Eier, die mit etwa 30 Stunden Abstand gelegt werden, werden befruchtet und entwickeln sich daher zu Weibchen. Eine Muttermilbe legt bei Arbeiterinnenlarven fünf, bei Drohnenlarven sechs weibliche Eier ab.
Das erste Entwicklungsstadium der Varroa ist eine sechsbeinige Larve, die sich vollständig innerhalb der Eischale entwickelt. Daraus entsteht im zweiten Entwicklungsstadium eine achtbeinige Protonymphe, die aus dem Ei schlüpft. Sie häutet sich zum dritten Entwicklungsstadium, der Deutonymphe, aus der die neue Generation adulter Milben hervorgeht. Beide Nymphenstadien werden gegen Ende ihrer Wachstumsperiode unbeweglich, dieses immobile Übergangsstadium wird als Chrysalis bezeichnet. Während die Nymphen weiß sind, besitzt das letzte Ruhestadium (Deutochrysalis) bereits die braune Farbe der adulten Milbenweibchen.
Weder Nymphen noch Männchen der Varroamilbe sind zur unabhängigen Nahrungsaufnahme fähig, denn ihre Mundwerkzeuge können das Integument der Bienenlarve nicht durchdringen; beim Männchen sind diese zu spezialisierten Begattungsorganen umgebildet und für die Nahrungsgewinnung nicht verwendbar. Sie sind darauf angewiesen, dass die Muttermilbe der Bienenlarve oder -puppe Wunden beibringt, an denen sie saugen können. Diese liegen normalerweise am fünften Segment der Wirtsbiene.
Die Milbenweibchen werden unmittelbar nach der Häutung zum Adulttier geschlechtsreif. Die Geschwister paaren sich in den Tagen, bevor die Biene schlüpft, mehrere Male untereinander. Das Männchen begattet die Weibchen im Inneren der noch verdeckelten Brutzelle, indem es eine Spermatophore direkt in die Gonophore des Weibchens überträgt, welche sie in einer Spermatheca speichert, um die weiteren Eier damit befruchten zu können. Das Männchen stirbt anschließend, ohne die Zelle je zu verlassen. Die Milbenweibchen verlassen die Zelle zusammen mit der schlüpfenden Biene nach etwa 12 Tagen, während das Männchen zurückbleibt. Das Muttertier kann die Zelle ebenfalls für einen zweiten, seltener sogar einen dritten solchen Fortpflanzungszyklus, wieder verlassen. Trotz der relativ moderaten Fortpflanzungsrate und einem nicht unerheblichen Anteil von Milben, die sich aus unbekannten Gründen gar nicht fortpflanzen, kollabieren Bienenvölker unter gemäßigten Klimabedingungen etwa drei bis vier Jahre nach der Infektion mit Varroa destructor. In wärmerem, subtropischem oder tropischem Klima wächst die Milbenpopulation dagegen langsamer.

Verbreitung und Wirtsarten

Varroa destructor wurde im Jahr 2000 durch Anderson und Trueman beschrieben. Zuvor wurden die Milben der bereits länger bekannten Art Varroa jacobsoni zugerechnet, die nur in Südostasien vorkommt. In älterer Literatur ist die Art deshalb unter diesem Namen aufgeführt.
Der ursprüngliche Wirt von Varroa destructor ist die Östliche Honigbiene (Apis cerana). Bei dieser Art werden ausschließlich die Larven von Drohnen befallen, eine Entwicklung an Arbeiterinnen erfolgt nicht. Die Milbenart war auf das tropische Ostasien beschränkt, wo drei weitere Arten der Gattung, westlich bis Nepal, leben. Auf die westliche Honigbiene, Apis mellifera, ging die Art durch in Kultur gehaltene Bienen über, die in die Heimat von Apis cerana eingeführt worden waren. Zusätzliche Wirte von Varroa destructor sind nicht bekannt.
Durch molekulargenetische Untersuchungen von Varroamilben wurden unterschiedliche Stammlinien der Art und ihrer nahe verwandten Schwesterart Varroa jacobsoni identifiziert, die verschiedene Teile ihres natürlichen Verbreitungsgebiets besiedeln. Nur zwei dieser Typen sind auf Apis mellifera übergegangen, von denen nur einer (der sog. koreanische Haplotyp) weltweit verschleppt worden ist. Die weltweit verbreiteten Milben sind, im Gegensatz zu denjenigen ihrer Ursprungsheimat, genetisch so uniform, dass sie als Klone betrachtet werden können.
Heute ist Varroa destructor mit Ausnahme von Australien und der Antarktis weltweit verbreitet. Die Art ist vor allem durch den Versand von Bienenvölkern und Königinnen verschleppt worden. Der erste Nachweis von der russischen Pazifikküste stammt von 1952, aus Japan von 1958. In Europa wurde sie zuerst 1967 in Bulgarien gefunden. Der erste deutsche Nachweis stammt aus dem Jahr 1977.
In vielen Teilen Europas sind die Imker wegen der großflächigen Monokulturen der industrialisierten Landwirtschaft zum Wandern mit ihren Völkern gezwungen, was die schnelle Verbreitung des Parasiten begünstigt.

Auf dem Bild unten:
Nach Varroose abgestorbenes Bienenvolk.

Erkrankung und Bienensterben

Milbenbefall schwächt die Bienen auf verschiedenen Wegen. Durch das Aussaugen der Hämolymphe verlieren befallene Larven direkt an Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen bleiben um etwa ein Zehntel kleiner als gesunde Tiere. Nach einer neueren Studie ist der Hauptanteil der Nahrung das Fettgewebe, wenn sie auf erwachsenen Bienen parasitieren. Die befallenen Tiere besitzen eine deutlich verkürzte Lebensspanne, haben schlechtere Lernleistungen und kehren häufiger in den Stock nicht zurück.
Zusätzlich werden durch den Milbenbefall schädigende Viren (z. B. Flügeldeformationsvirus) übertragen. Von den achtzehn von Honigbienen bekannten pathogenen Viren werden fünf nachweislich durch Varroamilben als Vektor übertragen. Außerdem kann durch die Schädigung des Immunsystems der Biene vorher unterdrückter Pathogenbefall nun virulent werden. Meist wird angenommen, dass für den schließlich eintretenden Zusammenbruch des Bienenstaats weniger die Schädigung durch die Milbe selbst, sondern eher die Ausbreitung und Förderung der Pathogene verantwortlich ist. Auch der Befall mit dem Einzeller Nosema apis oder anderen Nosema-Arten trägt möglicherweise dazu bei.
Die Varroamilbe gilt als eine Hauptursache des in Deutschland seit einigen Jahren immer wieder im Herbst oder dem Winterhalbjahr auftretenden seuchenartigen Bienensterbens, vor allem bei einer gleichzeitigen Belastung durch Neonicotinoide.
Glücklicherweise sind wir Imker im Berchtesgadener Land vom Einsatz von  Neonicotinoiden verschont. Durch die Lage am Nationalpark und in der Biosphären-Region, sowie auch dank unserer, aufgrund der alpine Lage nur sehr kleinen Landwirtschaftsbetriebe, welche sich hauptsächlich mit der Viehzucht und Milchproduktion befassen kommt es in unserer Region nicht zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Man kann wirklich sagen- Wir leben in einem kleinen Paradies.

Resistenzen

Varroa destructor schädigt ihren Ursprungswirt, die Östliche Honigbiene (Apis cerana), nur unwesentlich (Varroatoleranz). Bei dieser Art werden ausschließlich Drohnenlarven befallen. Die Bienen sind bei der Entfernung des Parasiten erfolgreicher, außerdem verbleiben stark befallene Drohnen in der Zelle, ohne auszuschlüpfen, wodurch die Vermehrung der Milbe begrenzt bleibt. Bei der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) fehlen diese wohl durch Koevolution entstandenen Abwehrmechanismen weitgehend.
Jedoch wurden auch unter den Völkern der Westlichen Honigbiene solche gefunden, die natürlicherweise mit dem Parasitenbefall besser zurechtkommen als andere. Gut dokumentiert ist, dass Afrikanisierte Honigbienen resistenter sind als die Stammform. Ähnliches gilt für die Sizilianische Honigbiene (Apis mellifera siciliana) In Europa existieren Populationen in Gotland (Schweden) und Avignon (Frankreich), die Milbenbefall, anders als üblich, viele Jahre tolerieren können. Es gibt Zuchtprogramme für so genannte VSH-Bienen (englisch Varroa Sensitive Hygiene bees) In den USA wurden zwei Stämme entwickelt, die beschädigte Puppen unter Deckeln erkennen und entfernen können, bevor sich der Befall weiter ausbreitet. Der Stamm „IN“/Indiana wird an der Purdue University entwickelt, um Linien zu entwickeln, die anhaftende Varroamilben ausputzen und durch Bisse abtöten. Unterdrückte Milbenvermehrung ist beispielsweise durch „Recapping“ der Brutzellen möglich. Stärkere Resistenzen als die meisten westeuropäischen Zuchtlinien besitzen auch russische Stämme (Primorski-Bienen).
Die Züchtung resistenter bzw. toleranter Linien gilt als einzige langfristig erfolgversprechende Bekämpfungsmethode der Milbe und wird deshalb an verschiedenen Stellen durch Einkreuzen resistenterer Linien in die üblicherweise verwendeten Stämme versucht.


Chemische Bekämpfungsmethoden

Die Bekämpfung der Milben mit Akariziden, vor allem Phosphorsäureester und Pyrethroiden, gehörte zu den ersten Bekämpfungsstrategien. Inzwischen sind zahlreiche Populationen von Varroa destructor gegen eine Vielzahl dieser Präparate resistent. Weitere Nachteile der Akarizidbehandlung sind Rückstände in Wachs und Honig und Bienenschädigungen durch gemeinsame Exposition gegenüber anderen in der Umwelt verbreiteten Chemikalien.
Teilweise gute Erfolge wurden für den Einsatz organischer Säuren wie Ameisensäure (flüssig; mischbar mit Wasser), Milchsäure (als Racemat flüssig; mischbar mit Wasser) und Oxalsäure (fest; bis 10 % löslich in Wasser) berichtet. Milchsäure verwendet man vorwiegend im Sommer zur Erstbehandlung von Jungvölkern (Ablegern), solange diese noch brutfrei sind; die Winterbehandlung mit Milchsäure ist möglich und sehr erfolgreich. Ameisensäure wird auf verschiedene Weisen in die Völker eingebracht.

Auf dem Bild unten:
Nassenheider Verdunster zur Behandlung der Varroose. 

Bekämpfung

In jedem Fall ist es wichtig, durch laufende Kontrolle die Befallsstärke abzuschätzen. Dies geschieht durch Gemülldiagnose, indem die pro Tag auf den Boden der Bienenbeute abgefallenen toten Milben gezählt werden. Fallen im Juli 5 bis 10 Milben pro Tag, kann der Befall bereits kritisch sein. Genauer kann der Befall eines Bienenvolks mit dem Edlinger Varroaindikator errechnet werden. Der Indikator errechnet aus dem Datum und der Anzahl toter Milben mehrerer Tage eine ungefähre Befallstärke und wie viele Milben bei einer Behandlung bekämpft werden können. Unterschieden wird darüber hinaus zwischen einem Bienenvolk mit und ohne Brut. Entwickelt wurde der Indikator über mehrere Jahre vom Imker Kurt Edlinger. Eine weitere Diagnosemöglichkeit zur Befallskontrolle ist die Puderzuckermethode. Mithilfe dieser Methode kann die Befallstärke schnell und sehr genau bestimmt werden. Würde Puderzucker zur Therapie benutzt werden, wäre das nach dem Arzneimittelgesetz zu beurteilen.

Gemülldiagnose 

Gemülldiagnose oder Gemülluntersuchung bezeichnet in der Imkerei die Auswertung des Gemülls in einem Bienenstock.

Übers ganze Jahr lösen sich durch die Bewegungen und die sonstigen Aktivitäten der Honigbienen im Bienenstock viele Materialien von den Bienenwaben und fallen nach unten durch. Diese nennt man insgesamt „Gemüll“. 

Mit einer sogenannten Varroawindel kann der Imker sie auffangen, erfassen und dann interpretieren. Dies ist eine flache Schublade, die man durch eine dafür vorgesehene Öffnung an der Rückseite des Bienenstocks ganz unten einbringt und dann einen Tag lang oder auch mehrere in ihm belässt.

Die Gemülldiagnose ist sehr hilfreich bei der Bekämpfung der Varroamilbe, da der Imker durch den natürlichen Fall toter Milben abschätzen kann, wie sehr seine Völker befallen sind, und dann den Schädling rechtzeitig bekämpfen kann, wenn es denn not tut. Je nach Kalendermonat zeigt dasselbe Zählergebnis unterschiedlich hohen Befall an.

Darüber hinaus beurteilt der Imker mit der Gemülldiagnose im Winter ganz allgemein, wie es um seine Völker steht. Aus dem Gemüll kann er ablesen, wie viele Wabengassen vom Bienenvolk besetzt sind und wie stark es also ist. Liegen nach mehreren wärmeren Wintertagen verloren gegangene Eier im Gemüll, dann sieht er daran, dass das Volk weiterhin weiselrichtig ist, also noch eine fruchtbare Königin hat, und diese nun wieder Eier legt. Anhand der Zahl abgesprengter Zelldeckel von Futter- und Brutwaben im Gemüll kann man auf den aktuellen Futterbedarf und den Fortschritt in der Aufzucht von jungen Bienen schließen. Am Fund von Assel- oder schlimmer Mäusekot erkennt man, ob nur tolerierbare Mitbewohner im Bienenstock sind, oder solche, die man unbedingt vertreiben sollte.

Oxalsäure-Behandlung im Winter

In der Imkerei wird Oxalsäure als Winterbehandlung zur Bekämpfung der Varroamilbe eingesetzt. Sie wird 3,5%ig oder 5,7%ig (berechnet für Oxalsäure-Dihydrat, die effektive Oxalsäurekonzentration beträgt 2,5 %) in einer wässrigen Zuckerlösung (50%ige Saccharoselösung) auf die Bienen geträufelt oder dreiprozentig besprüht. Sie wird in ihrer kristallinen Form als Dihydrat auch in Tabletten- oder Pulverform in sogenannten Verdampfern angewendet. Dabei sublimiert sie als feiner Niederschlag im Bienenstock, wo sie durch die Arbeiterinnen verteilt wird. 

Auf dem Bild:
50%ige Oxalsäure-Dihydrat-Lösung wird mittels einer Spritze in die Wabengassen, auf die, in der Wintertraube sitzenden Bienen geträufelt.
Diese Behandlung muss bis 31. Dezember durchgeführt werden, ansonsten darf im darauffolgenden Jahr, aufgrund möglicher Rückstände kein Honig geerntet werden.

Amerikanische Faulbrut

Bei der Amerikanischen Faulbrut handelt es sich um eine bakterielle Brutkrankheit der Honigbienen. Die durch das sporenbildende, grampositive, stäbchenförmige Bakterium Paenibacillus larvae (Familie Paenibacillaceae) ausgelöste Tierseuche ist auch als Bösartige Faulbrut bekannt, in Abgrenzung zur harmloseren Europäischen Faulbrut. Die Amerikanische Faulbrut ist in Deutschland und Österreich anzeigepflichtig und in der Schweiz meldepflichtig.

Infektion

Die Amerikanische Faulbrut (auch Bienenpest genannt, ist eine Erkrankung der Bienenbrut. Nach dem Tod der Larve zersetzt Paenibacillus larvae die gesamte Körperstruktur der Larven zu einer zähen, braunen, schleimigen Substanz, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknet in dem sich die Sporen des Erreger befinden. Die Amerikanische Faulbrut stellt keinerlei Gefährdung für die erwachsene (adulte) Biene, den Menschen oder andere Lebewesen dar. Die Bezeichnung „amerikanisch“ bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf die Nationalität des Erstbeschreibers, den Amerikaner White; die Krankheit tritt weltweit auf.

Übertragung

Die infektiöse Form von Paenibacillus larvae sind die Sporen. Diese können über kontaminierten Honig oder Waben in gesunde Bienenvölker kommen. Eine Übertragung der Sporen über kontaminiertes Werkzeug ist außerdem möglich. Außerdem können Bienen, die ein schwaches, an AFB erkranktes Volk ausräubern, Sporen in gesunde Völker tragen. Durch Körperkontakt und Futteraustausch werden die Sporen im Bienenvolk verteilt und gelangen über kontaminiertes Larvenfutter zu der Bienenbrut.
Es ist deshalb sehr wichtig keinen Honig aus dem Supermarkt oder aus einem fremden Gebiet, selbst aus dem Nachbarort an Bienen zu verfüttern.

Infektionsverlauf

Die Sporen werden über das Futter von der Bienenbrut, den Larven, aufgenommen. Nur sehr junge Larven können durch die Sporen innerhalb der ersten 36 Stunden infiziert werden. Danach sind die Larven resistent. Auch adulte Bienen können nicht mehr infiziert werden. In den Därmen der Larven keimen die Sporen aus und die vegetativen Bakterien vermehren sich bis der Darm komplett mit Bakterien gefüllt ist. Es kommt zum Durchbruch durch das Darmepithel und somit zum Tod der Larve. Nach dem Tod zersetzt P. larvae die Bienenlarve vollständig zu einer fadenziehenden Masse, die später zu einem Faulbrutschorf eintrocknet, der die infektiösen Sporen enthält. Die Sporen können nun über die Ammenbienen zu weiteren Bienenlarven gelangen und diese infizieren. Der Kreislauf beginnt erneut.
Wird die Larve vor der Verdeckelung der Brutzelle von Bakterien getötet, so wird sie von den ihrem Putztrieb folgenden Arbeiterinnen häufig entfernt. Wird die Brutzelle aber noch verdeckelt, so stirbt die Larve in der Zelle und wird durch P. larvae zu einer Faden ziehenden Masse zersetzt.

Bekämpfung

Bei einem AFB-Ausbruch droht durch Verflug und Räuberei die Infizierung weiterer Bienenvölker in einem weiten Gebiet. Daher ist sie in Deutschland und einigen anderen Ländern eine anzeigepflichtige Tierseuche. Nach der amtlichen Feststellung der Krankheit durch das zuständige Veterinäramt wird ein Faulbrut-Sperrbezirk mit mindestens einem Kilometer Radius um den betroffenen Bienenstand eingerichtet. Eine Belastung seiner Bienenvölker mit AFB-Sporen kann der Imker jährlich durch Futterkranzproben bestimmen lassen. Der Nachweis von Sporen in den Proben bedeutet aber nicht, dass die AFB auch schon ausgebrochen ist. Erst wenn auch ein klinischer Befund besteht (schleimiger Zelleninhalt, Streichholzprobe positiv), sind Maßnahmen zu ergreifen. Eine AFB-Sanierung bedeutete früher meist die Vernichtung aller Völker auf dem Stand durch Abschwefeln (Abtöten der Bienen) und Verbrennen des Materials. Heute wird, wenn die Ausbreitungstendenz begrenzt ist und der Imker die entsprechenden Möglichkeiten hat, auf Kunstschwarmverfahren und Beutendesinfektion (Bienenstockdesinfektion) gesetzt. Auch Kunststoffstöcke können effektiv desinfiziert werden. Allerdings muss auch weiterhin jegliches schon einmal bebrütetes Wabenmaterial aus den befallenen Völkern vernichtet oder zumindest einem wachsverarbeitenden Betrieb als sogenanntes Seuchenwachs angeliefert werden. Durch einen Einschmelzvorgang mit festgelegten Parametern (Temperatur, Druck und Dauer) werden dort alle enthaltenen Sporen abgetötet.
In einigen Ländern wird die AFB auch mit Antibiotika bekämpft. Diese haben jedoch den gravierenden Nachteil, dass die Erreger nur in der aktiven Wachstumsphase abgetötet werden, nicht aber die infektiösen Endosporen als eine Dauerform. Die Endosporen sind im eingetrockneten „Faulbrutschorf“ millionenfach in jeder der befallenen Brutwabenzellen vorhanden und können mehr als 50 Jahre überdauern. Bei unzureichenden begleitenden Hygienemaßnahmen kommt es immer wieder zum Ausbruch der Krankheit. Die Endosporen werden auch über den weltweiten Honighandel verbreitet.
Alternative Bekämpfungsmethoden werden derzeit erforscht. Deren Wirksamkeit konnte jedoch bisher noch nicht im Feld bei Faulbrutausbrüchen gezeigt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Phagentherapie zur Behandlung der Amerikanischen Faulbrut.